Dr. med. Fabian Roder, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie im Schwarzwald-Baar Klinikum

Forum Initiative Schlaganfall im Juni

Vortrag: „Schlaganfall – was hat das Herz damit zu tun?“

Das Herz kann taktlos zum Gehirn sein. Welche Auslöser kommen vom Herzen und können einen Schlaganfall verursachen? Für die Aufklärung hat die Initiative Schlaganfall Dr. med. Fabian Roder, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie am Schwarzwald-Baar Klinikum eingeladen. In seinem Vortrag benennt er Therapiemöglichkeiten, damit nachfolgende Schlaganfälle vermieden werden können. Für den Experten ist die Medizin hierzu einen großen Schritt vorangekommen: “Durch Herzkammerflimmern – mittlerweile spricht man von einer Volkskrankheit – können sich Blutgerinnsel im Herzen bilden und eine Hirnarterie verstopfen, mit der Folge Schlaganfall. Wer daraufhin Blutverdünner einnehmen muss, kann ein Problem bekommen. Mit einer neueren Methode lässt sich die Gefahr von inneren Blutungen vermeiden. Dazu kommt, dass etwa ein Viertel der Menschen unerkannt ein Loch im Herzen trägt. Das ist ein gefährlicher Durchgang, durch den ein Blutgerinnsel oder Ablagerungen in das Hirn gelangen können und das Schlaganfallrisiko steigen lässt. Abhilfe können wir mit einem Stöpsel lösen, der unproblematisch eingefügt werden kann.“

Herz und Schlaganfall – für unsere Besucher Grund sich den Vortrag von Dr. Roder anzuhören

Dr. Roder ging in seinem Vortrag auf die Arbeit des Teams um den Direktor der Klinik für Kardiologie, Prof. Dr. Sebastian Ewen ein: 15 Oberärzte – davon 5, die vorwiegend in der Interkonventionellen Kardiologie tätig sind, und 25 Assistenzärzte betreuen die Patienten. Das sind etwa 3300 Herzkathederuntersuchungen, davon ungefähr 1500 koronare Interventionen und ca. 600 Herzkathederuntersuchungen im Rahmen von Herzinfarkten, Mitralklappenbehandlungen, Verschluss von Löchern im Herzen und Vorhofohr-Verschlüsse – mit vielen dieser Untersuchungen sollen erneute Schlaganfälle ausgeschlossen werden.

Die Symptome des Schlaganfalls sind den meisten bekannt, aber woher kommt ein Schlaganfall?

Folgende 5 Risikofaktoren treffen für auf die Krankheitsbilder Schlaganfall aber auch auf Herzerkrankungen zu: Adipositas, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung –vor allem ein erhöhter LDL-Wert, das Rauchen und Diabetes mellitus – egal ob Typ I oder II. Über 50% aller kardiovaskulären Erkrankungen (Schlaganfall oder Herzinfarkt) sind mit einem dieser Risikofaktoren verknüpft, 20 % der Todesfälle haben ebenfalls den Hintergrund dieser Risikofaktoren.

Das Herz ist für mehr als 20% der Schlaganfälle verantwortlich…

Dr. Roder ging dann auf die Frage ein: Wo kommen Schlaganfälle her, wenn sie vom Herzen kommen, das sind 20-30% der Schlaganfälle, d.h. irgendwo im Herz entsteht ein Blutgerinnsel, das in Richtung Kopf wandert. Häufig: das Gerinnsel kommt aus dem linken Vorhof. Ursache sind meist Herzrhythmusstörungen – Vorhofflimmern und Vorhofflattern. Lösen sich Blutgerinnsel, die in der rechten Herzkammer landen, ist das eher unkritisch, da sie von dort in die Lunge wandern und dort aufgelöst werden – genannt Paradoxe Embolie.

Vorbeugen kann man schon – Vermeidung von 5 Risikofaktoren…

Woher kommt das Vorhofflimmern? Durch elektrische Störsignale aus den Lungenvenen fängt die Vorkammer an zu flimmern, die Vorkammer pumpt nicht mehr. Im Vorhofohr bewegt sich kein Blut, es steht und gerinnt dadurch – der Schlaganfall kann kommen. Man benötigt jetzt dringend Blutverdünner oder zukünftig einen Verschluss des Vorhofohrs, damit sich dort kein Blutstau mehr bilden kann. Jetzt muss Blutverdünner genommen werden oder durch Verschließen des Vorhofohrs mit einem „Stöpsel“ die Gefahr des Blutstaus verhindert werden.

Viele Blutgerinnsel, die einen Schlaganfall auslösen können, haben ihren Ursprung im Herzen…

Was viele nicht wissen: Jeder Mensch hat das Persistierende Foramen Ovale, einen Schlitz zwischen linker und rechter Vorhofkammer. Da im Mutterleib das Blut über die Plazenta kommt und nicht über die Lunge fließen soll (die Lunge würde sonst mit Blut überströmt werden), ist dieser Schlitz vorhanden. Der Sauerstoffaustausch erfolgt ebenfalls über die Plazenta. Das Blut fließt durch diesen „Schlitz“ an der Lunge vorbei. Kommen wir auf die Welt und schreien das erste Mal, fließt plötzlich das Blut in die Lunge hinein. Aufgrund des geänderten Blutdrucks wird der Schlitz geschlossen. Bei 2/3 der Menschen verwächst dieser Schlitz und ist dauerhaft geschlossen. Bei 25-30 % der Menschen verwächst das nicht und dieser Schlitz kann immer wieder geöffnet werden. Steigt der Blutdruck an und es kommt zufällig ein Blutgerinnsel vorbei, kann dieses durch den Schlitz hindurch in die linke Vorkammer gelangen und so einen Schlaganfall auslösen. Beruhigend: je älter man wird, desto unwahrscheinlicher ist es, dass aufgrund des Persistierenden Foramen Ovale ein Schlaganfall entsteht.

Medikamentöse Therapie erscheint für viele leichter, als den eigenen Lebensstil zu verändern…