Moritz Vitt, Direktor der Apotheke im Schwarzwald-Baar Klinikum (Bild: SBK)

Forum Initiative Schlaganfall im Juli

Vortrag: „Von Schlangengift und Grapefruitsaft – die Klinikapotheke im SBK“

Im Alter steigt oft die Anzahl der einzunehmenden Medikamente. Welche Probleme kann es bei der Einnahme geben? Die Initiative Schlaganfall hatte den Direktor der Apotheke im Schwarzwald-Baar Klinikum, Moritz Vitt, eingeladen, um unsere Fragen zu beantworten: Wie findet die Tablette den richtigen Weg, welche Flüssigkeit sollte ich wählen und wieviel. Immer wieder taucht die Frage nach Nebenwirkungen bei der Medikamenteneinnahme auf, insbesondere, wenn man drei und mehr Medikamente einnehmen muss. Moritz Vitt: “Falls Sie ein Medikament vergessen haben, keinesfalls bei der nächsten Einnahme die Dosis verdoppeln und nehmen Sie Ihre Medikamente auch zu den vorgeschriebenen Zeiten mit ausreichender Flüssigkeit ein. Nur so kann der Wirkstoff auch richtig wirken“.

Leitungswasser ist in unserer Region für die Medikamenteneinnahme bestens geeignet
Ein Blick auf die Zutatenliste zeigt, warum Leitungswasser die erste Wahl bei der Flüssigkeitsauswahl ist…

Aber zuerst gab es interessante Informationen zur Klinikapotheke selbst: Auf einer Grundfläche von 1600 m² sind 33 Mitarbeiter tätig, mehr als 60.000 Arzneimittelpackungen sind vorrätig und es werden viele sterile und unsterile Medikamente selbst hergestellt. Das Aufgabenspektrum der Apotheke ist vorrangig die Arzneimittelversorgung der Patienten des Klinikums, die Arzneimittelherstellung, die klinische Pharmazie und Arzneimittelinformationen für andere Apotheken und das Personal des Klinikums. Ein großes Lager und Plätze zur Kommissionierung, damit die richtigen Medikamente zur richtigen Zeit auf der richtigen Station ankommen, ein Infusionslager, ein Kühlraum, Tresore für Betäubungsmittel, ein Reinraum zur Herstellung steriler Arzneiformen und das Notfalldepot gehören zu den speziellen Räumlichkeiten der Krankenhausapotheke.

Medikamentenformen sind vielfältig…
…verschiedene Farben und Formen, flüssig, als Salbe oder als Tablette…

Damit der Wirkstoff auch an die richtige Stelle gelangt, sind zum einen eine ausreichende Flüssigkeitsmenge nötig aber auch das „Andocken“ an die richtige Zelle mit dem Schlüssel-Schloss-Prinzip der Pharmakologie.

Nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip wird entschieden, welches Medikament wo „andocken“ darf…
Die Einnahme von Medikamenten ist ebenfalls vielfältig…

Bevor aber ein Medikament verschrieben werden kann, liegen viele Schritte dazwischen.

Es dauert lange, bis ein neues Medikament verschrieben werden kann…

Aber es gibt kaum ein Medikament ohne Nebenwirkung. So kommt es, dass 5-10% der Notfalleinweisungen in die Krankenhäuser Deutschlandsauf medikamentöse Nebenwirkungen zurückzuführen sind. Ein Tipp von Moritz Vitt: „Lesen Sie im Beipackzettel den Abschnitt „Nebenwirkungen“ erst, wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie etwas Ungewöhnliches im Zusammenhang mi der Medikamenteneinnahme bemerken.“

Eigentlich haben alle Medikamente Nebenwirkungen, aber sehr selten gibt es wirklich Probleme…

Wichtig zu wissen: Tabletten bestehen aus dem Wirkstoff und dem Füllstoff und oftmals sind Tabletten nicht teilbar.

Eine Tablette besteht im Allgemeinen aus dem Wirkstoff und einem Füllstoff, manchmal gibt es noch einen Überzug, damit sich die Tablette nicht vorzeitig auflöst und dann sollte man nur an Bruchkanten teilen…

Warum sollten Medikamente mit Leitungswasser eingenommen werden? Moritz Vitt: „Unser Leitungswasser hat nicht so viele Mineralstoffe wie Mineralwasser oder Milch. Größere Mengen dieser Stoffe können Nebenwirkungen erzeugen, also ist es einfach besser „unser“ Wasser – mindestens 200 ml – dazu zu nehmen.

Einnahmezeitpunkt und Einnahmetechnik hängen oft vom Medikament ab – und dann gibt es immer noch die Hinweise von der Apotheke und die Angaben des Arztes. Entscheidend ist die Einnahmetreue (Complience), weil vergessene und ausgelassene Einnahmen die Wirkung des Arzneimittels beeinträchtigen.“

Prinzipiell gibt es auch manche Lebensmittel, die mit bestimmten Medikamenten die Wirksamkeit beeinträchtigen, dazu gehören u.a. Grapefruit, Johanniskraut Spinat und Grünkohl. Aber auch bei der Nutzung von Eiweißpräparaten sollte man sich an bestimmte Regeln halten.

Die Apotheke im Schwarzwald-Baar Klinikum hat eins von 5 Notfalldepots in Baden-Württemberg…

Wussten Sie, dass in der Altersgruppe 70-79 Jahre mehr als 75% mindestens 3 Medikamente einnehmen und dass es immer besser ist, die Medikamente in nur einer Apotheke zu kaufen, da so der Apotheker schon mal mögliche Wechselwirkungen erkennen kann, ein aktueller Medikationsplan vom Hausarzt ist in jedem Fall die beste Lösung.

Noch ein Tipp von Moritz Vitt: „Nutzen Sie die pharmazeutischen Dienstleistungen der öffentlichen Apotheken wie Blutdruckmessung, Prüfung der Gesamtmedikation inklusive Selbstmedikation und Informationen zu Inhalationsgeräten.  Wichtig ist auch ein Blick in die Hausapotheke und in die Reiseapotheke.“
Als Service haben wir für Sie in unserem Ratgeber ein Blatt für beide „Apotheken“ bereitgestellt.