Die Logopädinnen M. Sc. Marilena Cataldo (links) und B. Sc. Luisa Schroeder von der Schluckambulanz im Schwarzwald-Baar Klinikum mit ihrem Vortrag „Plötzlich fällt das Schlucken schwer“

Forum Initiative Schlaganfall im August

„Warum verschlucken sich Ältere öfter?“

Verschlucken kann kritisch werden, nach einem Schlaganfall ist neben vielen anderen Erscheinungen oft das Schlucken ein Problem. In der Schluckambulanz, die zur Neurologie im Schwarzwald-Baar Klinikum gehört, wird mit bildgebender Diagnostik der Schluckvorgang von Patienten untersucht. Man spricht von Dysphagie, von einer Schluckstörung. Jeder schluckt anders – der eine lieber über links, der andere über rechts. Im Alter wird es noch einmal etwas anders- es verändert sich die Skelettmuskulatur, es verändert sich der Geruchs- und Geschmackssinn, die Zähne, der Körperbau – die Muskulatur baut ab, man wird gebrechlicher und kraftloser und damit verändert sich auch das Schlucken, was allerdings altersphysiologisch ist. Hier spricht man nicht von einer Dysphagie, sondern von Schluckproblemen.

Marilena Cataldo: Der gesunde Mensch schluckt ca. 1000 mal am Tag

Marilena Cataldo: „Ein gesunder Mensch schluckt ca. 1000 mal am Tag, es ist nicht nur Nahrung sondern oftmals Speichel, ein 80-Jähriger schluckt ungefähr 30 Millionen mal in seinem Leben. Das Schlucken ist ein sehr komplexer Mechanismus, ca. 100 Muskeln eine Vielzahl von Nerven und viele Regionen im Gehirn funktionieren fein aufeinander abgestimmt. Fällt auch nur eine dieser Funktionen aus, verschlucken sich die Patienten, sie husten niesen oder haben einfach nur Luftnot. Gelangt Nahrung in die Lunge, kann das zu gefährlichen Lungenentzündungen führen. Warum ist das so? Der Atem und der Speiseweg kreuzen sich und bei einer Störung gibt es da ganz einfach Probleme. Das Gute: Eine Schluckstörung ist in jedem Fall therapierbar. Natürlich gibt es Patienten, die auch nach einer Therapie nicht mehr wie früher Essen und Trinken können, aber die meisten können nach einer Therapie wieder voll oral ernährt werden.“

Luisa Schroeder: „Wann fällt eine Schluckstörung auf?“

Luisa Schroeder: „Was sind Anzeichen für eine Schluckstörung? Häufiges Husten und Räuspern beim Essen, oftmals Nachschlucken und Trinken beim Essen, Reflux (Mageninhalt fließt zurück in die Speiseröhre) und häufiges Sodbrennen, deutliche Gewichtsabnahme und mangelnde Flüssigkeitszufuhr, weil man Angst hat, sich zu verschlucken. Aber auch häufige Lungenentzündungen und unklares Fieber können auf eine Schluckstörung hinweisen.

Gefahren beim Verschlucken…

In der Schluckambulanz wird – im Schwarzwald-Baar Klinikum zeitnah – die Diagnostik durchgeführt, es gibt keine Wartelisten. Nötig sind eine Krankenhauseinweisung und der Patient. In der Schluckambulanz wird eine apparative Diagnostik durchgeführt – eine flexible endoskopische Untersuchung durchgeführt. Das Endoskop wird ohne Narkose durch die Nase in den Rachenraum geführt – sonst wäre auch keine Beobachtung des Patienten beim Essen und Trinken möglich.“

Wenn Essenreste im Mundraum bleiben…

Die Logopäden können dann genau beobachten, ob es Probleme beim Trinken, beim Schlucken von Apfelmus, fester und krümeliger Nahrung oder beim Tabletten schlucken gibt. Bleibt dann Nahrung im Mundraum, also vor der Speiseröhre stecken, besteht die Gefahr, dass diese Reste in die Luftröhre gelangen kann. Solange das mit Husten und Räuspern „gelöst“ werden kann, ist es gut. Die Logopäden sprechen dann vom „Clearing“.

Mundpflege ist so wichtig…

Die Therapie wird dann in den Ambulanten Praxen der Logopäden durchgeführt. Folgende Behandlungsmethoden sollen helfen, Schluckstörungen zu überwinden:

Damit keine Probleme beim Schlucken auftreten, ist „Clearing“ angesagt…

Restituierende Verfahren – sie dienen zum Aufbau erhaltener Restfunktionen und sollen eine maximale Beweglichkeit anstreben

Kompensatorische Verfahren – sie dienen dem Erlenen von Schlucktechniken und Haltungsänderungen, um den Schluckakt zu unterstützen

Adaptierende Verfahren – das bedeutet Kostanpassung und möglicherweise den Einsatz von Ess- und Trinkhilfen 

Atemweg und Speiseweg kreuzen sich…

Wichtig ist eine gute Mundhygiene, der Mund sollte immer sauber und feucht und bakterienfrei gehalten werden. Das gilt ganz besonders für Patienten, die künstlich ernährt werden.