Ist gesundes Essen Mord am leckeren Genuss?
Essen muss ich – aber muss es immer gesund sein? Schmecken soll es aber auch.
Ein Sprichwort behauptet, dass die Königin der Kochrezepte die Phantasie ist. Klingt gut, aber gilt das auch im Krankenhaus? Die Initiative Schlaganfall hatte Armin Storm, Gesamtküchenleiter und Küchenchef von 75 Mitarbeitern im Schwarzwald-Baar Klinikum eingeladen, um einen Blick unter die Topfdeckel und hinter die Kulissen der Großküche zu werfen. Als Verstärkung brachte er Gloria Hofacker und Anette Israel mit, Diätassistentinnen im Küchenteam.

Was sollte man beachten: Frische Lebensmittel einkaufen, da sind mehr Nährstoffe, mehr Vitamine drin, das ist etwas ganz Anderes, als wenn man Fertigprodukte kauft und das dann in der Mikrowelle warm macht. Gut ist es, wenn man bewusst Essen zubereitet, sich Zeit nimmt, den Körper entschleunigt, das hilft auch bei der Verdauung!
Im Klinikum werden täglich 650 – 700 Mittagessen für Patienten zubereitet, dazu kommen 400 bis 800 Essen für die Mitarbeiter und täglich werden 3 Menüs angeboten.

Interessant: kochen ist dabei eigentlich die kleinste Tätigkeit. Es wird im 2-Schichtbetrieb gearbeitet. Die Spülküche ist mit 6 Mitarbeitern besetzt – 40% der täglichen Arbeit ist Spülküche, dazu gehört auch, Tablett und Geschirr bereitzustellen. „Tablettieren“ bedeutet für die Mitarbeiter 1,5 – 2 Stunden am Stück am Fließband stehen, jedes Tablett muss genau angeschaut werden, die Mitarbeiter müssen konzentriert und ohne Fehler arbeiten. Das findet fürs Frühstück statt, fürs Mittagessen und für das Abendessen, das sind 32% der täglichen Arbeitszeit. Es bleiben noch 18% fürs Kochen, dazu gehören aber noch Salat anrichten, Salatschüsseln füllen, Dessert anrichten, Wurst und Käse schneiden, Garnituren machen, Müsli und Wurstsalat herrichten. Die Salatküche ist mit 4 Personen besetzt, im Brot-Raum ist auch einer tätig. Planung und Einkauf gehören auch zu den 18% – also viel Arbeit!
Übrigens: Die Mitarbeiter bekommen das gleiche Essen wie die Patienten.

Empfehlung vom Küchenchef: „Gewürze frisch kaufen, also kleine Mengen, damit sie frisch bleiben, Pfeffer selber mahlen – schmeckt viel aromatischer und verwenden Sie lieber nicht den gemahlenen weißen Pfeffer… Und noch ein Tipp: Wenn Sie Essen kochen, machen Sie größere Mengen und frieren Portionen ein. Sie haben zwar an dem Tag mehr Arbeit, aber an anderen Tagen können Sie mit wenig Aufwand ein leckeres Essen auf den Tisch bringen“.

Anette Israel und Gloria Hofacker: „Vegetarische oder vegane Kost muss nicht langweilig sein, kaufen Sie keine Fertigprodukte – da sind Emulgatoren und Konservierungsstoffe drin, ein Einheitsgeschmack und sie sind teuer. Unsere Empfehlung: kaufen Sie frisch ein und bereiten sich selbst ein Essen. Mit Freude, Spaß und Genuss können Sie sich ein abwechslungsreiches Essen zubereiten.

Für die Diätassistentinnen ist es wichtig, dass es nicht zu Mangelernährung kommt. Die Patienten müssen Kraft tanken, damit sie wieder schnell auf die Beine kommen. Es gibt Hilfsmittel wie Eiweißpulver oder Trinknahrung, die Vitamine und eben entsprechend viel Eiweiß enthalten. Zwischenmahlzeiten in Form von Puddings oder cremigen Shakes können den Appetit wieder anregen und den Muskelaufbau fördern.

Gut auch der Tipp: Machen Sie gleich größere Mengen und frieren Sie diese ein, Dann können Sie jederzeit für Nachschub sorgen. Statt Früchten kann man auch Karotten, rote Bete oder grüne gekochte Bohnen und Kräuter einsetzen. Auch eine herzhafte Variante mit Gurke, Dill und Buttermilch ist möglich.

Am Ende des Vortrages kam die Ankündigung, dass es für jeden einen äußerst leckeren Linsensalat gibt – das Rezept finden Sie in unserem Ratgeber und auch noch einen gesunden Eiweiß-Shake.


H. Storm: „Nehmen Sie sich Zeit zum Essen, genießen Sie das Essen, dann kann der Körper alles viel besser verarbeiten und der Seele geht es gleich viel besser“.
Auch wenn es am Ende für jeden noch als Geschenk ein Gläschen Schwarzwälder Rauchsalz ‚Made in Schwarzwald-Baar Klinikum‘ gab, sollte man mit Salz sparsam umgehen und Salz zum Nachwürzen benutzen oder – was noch besser ist, viel mit Gewürzen arbeiten, Blatt-Petersilie hat viel Vitamin C, enthält auch Salz und schmeckt…



