„Damit der Mensch überlebt – tun was geht“ Rettung im Notfall
Es kann zu jeder Zeit passieren – auf der Straße im Nachbarhaus oder in der eigenen Wohnung – Menschen geraten in Lebensgefahr und werden zum medizinischen Notfall. Dann ist Erste Hilfe gefragt. Es gibt relativ harmlose Notfälle, es gibt ernstliche und es gibt lebensgefährliche Situationen bis hin zum Herz-Kreislauf-Stillstand mit den Maßnahmen der Wiederbelebung. Die Initiative Schlaganfall hatte Dr. Johannes Kohler eingeladen, um Einblicke zum Rettungswesen zu erhalten: „Schnelles Handeln ist im Notfall ganz wichtig. Drei wichtige Schritte, um Leben zu retten sind Prüfen, Rufen und Drücken, man prüft die Atmung und ob die Person bewusstlos ist. Dann sollte der Rettungsdienst alarmiert werden und mit Drücken ist die Herzdruckmassage gemeint, die bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes durchgeführt werden muss. Das Einzige, was Sie falsch machen können, ist nichts zu tun!“ Der Kardiologe, Notfallarzt, Kreisverbandsarzt und Mitinitiator des Projekts Region der Lebensretter hatte uns zu einem Streifzug durch verschiedene Notfallsituationen eingeladen, dabei stellte sich immer wieder die Frage, was kann ich selbst tun, als Helfender oder als betreuende Person, wenn ich mit einer Notfallsituation konfrontiert bin? Dr. Kohler hatte viele unterschiedliche Situationen parat.

Was tun bei einem Schwächeanfall? Die Beine hoch lagern, damit Blut zum Herzen strömen kann. Der Blutdruck steigt sofort wieder an, es kann sein, dass man sich in dieser Situation ganz schnell wieder erholen kann.
Bei akuter Atemnot sieht das anders aus: jetzt ist beruhigen gefragt, Zuspruch für den Betroffenen ist nötig und der Rettungsdienst muss schnell informiert werden.
Bei einem riesenhaft erhöhten Blutdruck ist der Rettungsdienst ebenfalls gefragt, aber der Blutdruck muss dann auch medikamentös gesenkt werden, eine Hirnblutung muss zukünftig vermieden werden.

Bei einem Sturz in der Wohnung ist oftmals ein Schenkelhalsbruch die Folge, der Patient kann nicht aufstehen, er hat Schmerzen, die Folge: eine operative Versorgung ist nötig, die Hoffnung: der Betroffene kann selbst den Rettungsdienst anrufen, wobei da eine Hausnotrufversorgung natürlich hilfreich ist. Mit einem Knopfdruck am Handgelenk ist allerdings ist der Zugang zur Wohnung noch nicht ermöglicht. Adressen von Nachbarn, Bekannten oder Verwandten, die zur betroffenen Person kommen können und Zugang zur Wohnung haben, sollten bekannt sein. In solchen Fällen ist die „Rot-Kreuz-Dose“ ideal, in ihr sind wichtige Informationen zur Person, Medikamente, Erkrankungen, Bezugspersonen, der Hausarzt. Die Dose gehört in den Kühlschrank.
Bei einem Schlaganfall ist die Zeit immens wichtig, der Notarzt sollte sofort informiert werden, um größeren Schaden zu vermeiden.
Beim Brustschmerz muss man das differenzierter sehen. Man denkt schnell an einen Herzinfarkt, aber nach schwerer körperlicher Arbeit kann dieser auch auftreten, Sodbrennen kann ebenfalls Brustschmerz hervorrufen oder Herzstiche können auftreten. Wichtig zu wissen: das Herz sendet keine stichartigen Schmerzen aus, sondern eher flächig ausstrahlende Schmerzen. Aber der Notarzt sollte dringend informiert werden, wenn Übelkeit, Schweißausbruch, Angstgefühl und Schwindel auch da sind.
Dr. Kohler hatte noch ein paar andere Beispiele aufgeführt: Ein 65-jähriger Mann verlässt ein Restaurant, bekleidet mit einem Mantel, trägt einen Koffer, es weht ein starker Wind, wahrscheinlich ist ein Schneegestöber. Der Mann greift sich an die linke Brustseite. Das sieht bedrohlich aus. Erklären lässt sich das wie folgt: er hat vermutlich gerade gut gespeist, beim Gang in die Kälte mit dem schweren Koffer treten körperliche Belastungen auf. Es können sich die Herzkranzgefäße verengen. Hat dieser Mensch Engstellen im Gefäßsystem, kann das zu einem Gefäßverschluss kommen, eine Herzinfarktsituation, eine Notfallsituation, der Mensch muss sofort behandelt werden. Im Rettungswagen ist es warm, da kann sich schon die Situation etwas entspannen. Ein EKG, dass im Rettungswagen durchgeführt werden kann, zeigt einen sogenannten Hinterwandinfarkt. Eine Versorgung mit Blut und Sauerstoff ist nach dem Verschluss nicht möglich. Der Sauerstoffmangel an der Herzmuskulatur macht Schmerzen. Das Gefäß muss schnellstens mittels eines Herzkatheders eröffnet werden.

Ein anderer Fall: Mann, etwa 60 Jahre alt, stürzt in einem Verpackungsbetrieb plötzlich zu Boden. Er ist bewusslos und atmet nicht. Durch einen Elektroschock, den der Defibrillator, auch AED (Automatisierter externer Defibrillator), auslösen kann, kann ein plötzlicher Herzstillstand beseitigt werden. Zuerst muss aber mit der Herzdruckmassage begonnen und parallel dazu der Rettungsdienst alarmiert werden, da es sich um einen Herz-Kreislaufstillstand handelt, als Info „Reanimation“ angeben. Ist man als Helfer allein: Anrufen und Telefon auf laut stellen, dann kann die Leitstelle Anweisungen zur Wiederbelebung geben. Danach sollte die Atmung überprüft werden: den Kopf überstrecken, 2 Finger unter das Kinn, die andere Hand auf die Stirn legen. Mit der Wange geht man an die Nase des Patienten. So kann man einen Atemluftstrom spüren oder etwas hören und schaut auf den Brustkorb – hebt und senkt sich da etwas? Trifft das alles nicht zu ist das ein Atemstillstand! Herzstillstand, wenn dazu Bewusstlosigkeit kommt. Jetzt muss es schnell gehen – man beginnt mit der Herzdruckmassage: 100 – 120 Mal in der Minute. Damit ist der Blutfluss im Kreislaufsystem und in Richtung Gehirn und Herzkranzgefäße gewährleistet. Klassisch gilt: dreißig Mal komprimieren und dann 2 Mal beatmen um die Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns aufrechtzuerhalten.
Für alle gilt: bereits kleinere Kinder können helfen: Kids save Life. Kindergartenkinder mit vier können ein Telefon bedienen oder im Auftrag die Tür öffnen. Grundschulkinder können am Telefon genauere Angaben machen. Ab 12 kann man wirksam Leben retten und eine Herzdruckmassage durchführen. Wichtig: die Kinder zu informieren. Erwachsene sollten den Erste-Hilfe-Kurs auffrischen oder auch einen Wiederbelebungskurs absolvieren.

Mit der Region der Lebensretter ist eine Smartphone-basierte Ersthelfer-Alarmierung entstanden. 4 Personen, die sich in unmittelbarer Nähe zu einem Menschen mit Herzkreislaufstillstand befinden, werden über ihr Smartphone geortet und gleichzeitig alarmiert: 2 gehen zu dem Betroffenen und machen Wiederbelebung – Herzdruckmassage und Beatmung, der Dritte wird beauftragt, einen Defibrillator zu holen, die vierte Person weist den bereits alarmierten Rettungsdienst ein. Im SBK sind aktuell 639 aktive Lebensretter (qualifizierte Personen wie Mitarbeiter im Sanitäts- und Rettungsdienst, Notfallsanitäter, Pflegekräfte und Ärzte) registriert, die das ehrenamtlich absolvieren. Erschreckend die folgende Zahl: jährlich erleiden ca. 50.000 Menschen in Deutschland einen Herz-Kreislaufstillstand. Nur 10-15% davon überleben, weil die erste Hilfe zu spät kommt. Mit den Lebensrettern ist eine frühzeitige Behandlung möglich!

Der Defibrillator benötigt ca. 10 Sekunden für die Rhythmusanalyse, danach muss sofort die Herzdruckmassage durchgeführt werden. Möglicherweise gibt der Defibrillator jetzt die Anweisung „Schock abgeben“. Der Schock muss dann vom Ersthelfer durch Drücken einer Taste ausgelöst werden.

Dr. Kohler hat noch einen Tipp: „Die Rote Dose gehört in den Kühlschrank und ein Notfallausweis in die Geldbörse, um den Rettern schnell wichtige Informationen zu geben. Außerdem kann ein Hausnotruf ganz schnell Hilfe bringen.“


